Myofunktionelle Funktion und Mundmotorik

Bei einer funktionellen myofunktionellen Störung ist die Muskulatur im Mund- und Gesichtsbereich betroffen, also die die Bewegungsabläufe und das muskuläre Gleichgewicht der am Schlucken beteiligten Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur.

 

Woran erkenne ich eine Myofunktionelle Störung? 

- offener Mund, Mundatmung

- vermehrter Speichelfluss

- sensorische und motorische Defizite der Zunge

- nicht korrekte Zungenruhelage (z.B. zwischen den Zähnen)

- Vorverlagerung der Zunge beim Reden, Zungenstoß gegen die Zähne

 

Was können Sie bei Verdacht auf eine funktionelle orofaziale Störung tun?

Wichtig für die Behandlung der Störung ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen HNO Arzt, Kieferorthopäde,, Kinderarzt, Physiotherapeut und Logopädin. Besprechen Sie Ihre Beobachtungen.

Der Zungenstoß kommt recht häufig vor (knapp 20 Prozent aller 5-7 Jährigen, 2015, Meilinger, M.).

 

Was passiert wenn die Störung nicht behandelt wird?

Die möglichen Folgen sind eine Störung der Kau-, Beiß- und Schluckentwicklung und/oder eine undeutliche und "feuchte" Aussprache und/oder eine Fehlbildung der Zischlaute (/sch/, /s/). Der permanente Zungenstoß gegen die Zähne beim Schlucken kann Zahnfehlstellungen und Kieferprobleme verursachen und führt zu einer kieferorthopädischen Behandlung. 

 

Mögliche Ursachen

- falsch erlerntes Schluckmuster

- Ernährung mit Flasche mit zu großem Schluckloch

- ungünstige Körper- und Kopfhaltung

- wiederkehrende HNO- Erkrankungen

- Mundatmung

- ungünstige Zahn- und Kieferstellungen

- "schlechte" Angewohnheiten wie Schnuller/ Daumenlutschen oder Nägelkauen

- Störungen während der Embryonalzeit

- Frühgeburtlichkeit

- Syndrom Erkrankungen

- zerebrale Bewegungsstörungen

 

Was passiert in der logopädischen Therapie der myofunktionellen Störung?

- Stimulation der oralen Wahrnehmung

- Abbau ungünstiger Verhaltensmuster

- Anbahnung günstiger Bewegungsmuster

- Anbahnung der Nasenatmung

- Training der korrekten Lippen- und Zungenruhelage, des Mundschlusses und der Nasenatmung

- Muskelfunktionstraining (Mundmotorik)

- Anbahnung des korrekten Schluckmusters mit verschieden Konsistenzen

 

Präventiv ist die Behandlung möglich bei frühgeborenen oder mehrfachbehinderten Kindern, als Unterstützung vor/während/nach einer kieferorthopädischen Behandlung oder begleitend/ vorbereitend für eine Artikulationstherapie.